Angststörungen

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Angststörungen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen überhaupt und können das Leben der Betroffenen erheblich einschränken. Dieser Beitrag erklärt die wissenschaftlichen Hintergründe, die verschiedenen Formen und die belegten Behandlungsmöglichkeiten.

Was sind Angststörungen?

Angststörungen sind psychische Erkrankungen, bei denen Angst übermäßig häufig, intensiv oder ohne angemessenen Auslöser auftritt und den Alltag deutlich beeinträchtigt.

  • Anders als normale, situativ angemessene Angst ist die Angst bei einer Störung unverhältnismäßig, anhaltend oder tritt ohne erkennbaren Grund auf.
  • Angststörungen gehen häufig mit körperlichen Symptomen wie Herzrasen, Schwitzen oder Atemnot einher.
  • Zu den Angststörungen zählen unter anderem die generalisierte Angststörung, die Panikstörung, soziale Phobie und spezifische Phobien.

Wie häufig sind Angststörungen?

Angststörungen gehören laut Studien zu den häufigsten psychischen Erkrankungen in Deutschland.

  • Nach Daten des Robert Koch-Instituts erfüllt ein erheblicher Teil der Erwachsenen im Laufe des Lebens die Kriterien einer Angststörung.
  • Frauen sind laut epidemiologischen Erhebungen etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer.
  • Angststörungen beginnen häufig bereits im Jugend- oder jungen Erwachsenenalter.

Welche Formen von Angststörungen gibt es?

Das Spektrum der Angststörungen ist breit gefächert und unterscheidet sich in Auslöser und Verlauf.

  • Die generalisierte Angststörung ist geprägt von andauernder, frei flottierender Sorge über verschiedenste Lebensbereiche.
  • Die Panikstörung zeichnet sich durch wiederkehrende, plötzliche Angstattacken mit starken körperlichen Symptomen aus.
  • Die soziale Phobie beschreibt die Angst vor Bewertung und Bloßstellung in sozialen Situationen.
  • Spezifische Phobien richten sich auf klar umgrenzte Objekte oder Situationen wie Höhen, Spinnen oder Fliegen.

Welche Ursachen haben Angststörungen?

Die Entstehung von Angststörungen wird wissenschaftlich als Zusammenspiel mehrerer Faktoren verstanden.

  • Genetische Veranlagung erhöht nachweislich das Risiko, insbesondere bei familiärer Häufung von Angststörungen.
  • Neurobiologische Faktoren, etwa eine erhöhte Aktivität der Amygdala und Veränderungen im Botenstoffsystem, spielen eine wichtige Rolle.
  • Belastende oder traumatische Lebenserfahrungen, insbesondere in der Kindheit, können die Entstehung begünstigen.
  • Erlerntes Verhalten, etwa ängstliche Vorbilder in der Familie, kann ebenfalls einen Beitrag leisten.

Welche Rolle spielt das Gehirn bei Angst?

Neurobiologische Forschung hat wichtige Erkenntnisse zu den Hirnmechanismen der Angst geliefert.

  • Die Amygdala gilt als zentrale Schaltstelle für die Verarbeitung von Angst und Bedrohungsreizen.
  • Bei Angststörungen ist die Kommunikation zwischen Amygdala und dem präfrontalen Kortex, der für die Regulation von Emotionen zuständig ist, häufig verändert.
  • Ungleichgewichte bei Botenstoffen wie Serotonin, Noradrenalin und GABA werden mit der Entstehung von Angstsymptomen in Verbindung gebracht.

Welche körperlichen Symptome können bei Angststörungen auftreten?

Angststörungen gehen häufig mit ausgeprägten körperlichen Beschwerden einher, die oft fälschlich als rein körperliche Erkrankung gedeutet werden.

  • Herzrasen, Brustschmerzen und ein Engegefühl in der Brust können im Rahmen von Panikattacken auftreten.
  • Schwindel, Zittern, Schwitzen und Atemnot zählen zu den häufigen körperlichen Begleitsymptomen.
  • Verdauungsbeschwerden und Muskelverspannungen treten insbesondere bei chronischer, generalisierter Angst häufig auf.

Wie wirken sich Angststörungen auf den Alltag aus?

Unbehandelte Angststörungen können weitreichende Folgen für Beruf, soziale Beziehungen und Lebensqualität haben.

  • Vermeidungsverhalten führt häufig dazu, dass Betroffene zunehmend Situationen oder Orte meiden.
  • Angststörungen sind mit einem erhöhten Risiko für weitere psychische Erkrankungen wie Depressionen verbunden.
  • Auch körperliche Erkrankungen, etwa Herz-Kreislauf-Probleme, können durch chronischen Stress im Rahmen einer Angststörung begünstigt werden.

Welche wissenschaftlich untersuchten Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die S3-Leitlinie zur Behandlung von Angststörungen empfiehlt vor allem zwei gut belegte Behandlungssäulen.

  • Die kognitive Verhaltenstherapie gilt als wirksamste psychotherapeutische Methode und hilft, angstauslösende Gedankenmuster und Vermeidungsverhalten zu verändern.
  • Expositionsverfahren, bei denen sich Betroffene schrittweise und kontrolliert der angstauslösenden Situation stellen, sind besonders gut untersucht.
  • Medikamentös werden vor allem selektive Serotonin- beziehungsweise Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer eingesetzt.
  • Eine Kombination aus Psychotherapie und Medikation kann bei ausgeprägten oder chronischen Verläufen sinnvoll sein.

Welche Rolle spielen Medikamente bei Angststörungen?

Medikamente können die Symptomatik lindern und die Teilnahme an einer Psychotherapie erleichtern.

  • SSRI und SNRI gelten als Mittel der ersten Wahl und benötigen in der Regel mehrere Wochen bis zur vollen Wirkung.
  • Benzodiazepine wirken zwar schnell angstlösend, werden aufgrund des Abhängigkeitsrisikos jedoch nur kurzfristig empfohlen.
  • Eine medikamentöse Behandlung sollte stets ärztlich begleitet und regelmäßig überprüft werden.

Welche Rolle spielt Entspannung und Sport?

Ergänzende Maßnahmen können die Wirksamkeit der Hauptbehandlung unterstützen.

  • Regelmäßige körperliche Aktivität wird in Studien mit einer Reduktion von Angstsymptomen in Verbindung gebracht.
  • Entspannungsverfahren wie progressive Muskelentspannung oder Atemübungen können akute Anspannung reduzieren.
  • Achtsamkeitsbasierte Verfahren zeigen in Studien positive Effekte auf den Umgang mit Angstgedanken.

Wie unterscheidet sich Angst von einer Angststörung im Alltag?

Die Abgrenzung zwischen normaler Angst und einer behandlungsbedürftigen Störung ist für Betroffene oft schwierig.

  • Maßgeblich ist, ob die Angst unverhältnismäßig, andauernd und alltagsbeeinträchtigend ist.
  • Eine Angststörung liegt in der Regel vor, wenn Symptome über mehrere Wochen bis Monate bestehen und zu deutlichem Leidensdruck führen.
  • Vermeidungsverhalten, das den Alltag zunehmend einschränkt, ist ein wichtiges Warnzeichen.

Welche Selbsthilfestrategien können unterstützen?

Neben professioneller Behandlung können Betroffene selbst einiges zur Bewältigung beitragen.

  • Atemtechniken helfen, akute körperliche Angstsymptome zu reduzieren.
  • Ein Angst- oder Sorgentagebuch kann helfen, Auslöser und Muster zu erkennen.
  • Der bewusste Verzicht auf Vermeidungsverhalten, auch in kleinen Schritten, ist ein wichtiger Baustein der Genesung.
  • Der Austausch mit Selbsthilfegruppen wird von vielen Betroffenen als entlastend beschrieben.

Wann sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden?

Eine frühzeitige Behandlung verbessert die Prognose einer Angststörung erheblich.

  • Wenn die Angst über mehrere Wochen anhält und den Alltag deutlich einschränkt, ist eine ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung sinnvoll.
  • Bei zusätzlichem Vermeidungsverhalten, sozialem Rückzug oder depressiven Symptomen sollte nicht zu lange gewartet werden.
  • Der Hausarzt kann eine erste Anlaufstelle sein und bei Bedarf an eine Fachperson überweisen.

Welche Fragen sollte ich beim Arzttermin ansprechen?

  • Um welche Form der Angststörung könnte es sich bei mir handeln?
  • Welche Therapieform wäre für meine Situation am besten geeignet?
  • Welche Wartezeiten sind für eine Psychotherapie realistisch und welche Überbrückungsangebote gibt es?
  • Welche Nebenwirkungen könnten bei einer medikamentösen Behandlung auftreten?

Welche Mythen über Angststörungen sind wissenschaftlich widerlegt?

  • Der Mythos, Angststörungen seien reine Willensschwäche, wird durch die belegten neurobiologischen Grundlagen widerlegt.
  • Der Mythos, man müsse angstauslösende Situationen dauerhaft meiden, wird durch die Wirksamkeit von Expositionstherapien widerlegt.
  • Der Mythos, Angststörungen seien nicht behandelbar, widerspricht den guten Erfolgsraten kognitiver Verhaltenstherapie.

Zusammenfassung

Angststörungen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen und entstehen durch ein Zusammenspiel genetischer, neurobiologischer und psychosozialer Faktoren. Kognitive Verhaltenstherapie und bei Bedarf Medikamente gelten als wirksamste, wissenschaftlich am besten belegte Behandlungsansätze. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung verbessert die Prognose erheblich und kann Betroffenen helfen, ihren Alltag wieder unbeschwerter zu gestalten.

Wissenschaftliche Quellen

  • Robert Koch-Institut: Gesundheitsberichterstattung – Angststörungen (rki.de)
  • AWMF S3-Leitlinie: Behandlung von Angststörungen (register.awmf.org)
  • Gesundheitsinformation.de: Behandlungsmöglichkeiten bei generalisierter Angststörung (gesundheitsinformation.de)
  • Panikattacken-loswerden.de: So entstehen Angststörungen (panikattacken-loswerden.de)
  • Schweizerische Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie: Behandlung der Angsterkrankungen (psychiatrie.ch)

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